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Neltharia

Neltharia


Dir gegenüber steht die traumhafte Stute und sieht Dich mit ihren vertrauensvollen Augen an. Du bist geblendet von ihrer Schönheit und kannst Dich ihrem Blick nicht entziehen. Erst gestern hast Du die Annonce in der Zeitung gelesen und verspürtest sofort das Bedürfnis das Tier zu besitzen. Doch als der Besitzer Dir gegenüber steht und Deinem Blick folgt, verhärtet sich seine Mine und Du spürst, das hier etwas nicht stimmt. Neltharia schaut dich immer noch mit ihren braunen Augen an und Du glaubst in ihnen eine Bitte zu lesen.



"Ich weiß, dass Sie sich nicht auf Verhandlungen einlassen wollen." Kathrin sah den Besitzer an und spürte wie ihr Herz schneller schlug. Schon am Telefon hatte ihr der Besitzer der Stute unmissverständlich klar gemacht, dass er von seiner Preisvorstellung nicht abweichen würde. Aus gesundheitlichen Gründen wollte er die Stute verkaufen. Doch als Kathrin ihn ansah und einen weiteren Blick auf Neltharia warf wurde ihr klar, dass die gesundheitlichen Gründe wohl er die Stute, nicht aber deren Besitzer betragen. Neltharia wirkte müde, ausgelaugt und ihr stumpfes Fell ließ Kathrin einen Schauer über den Rücken laufen. In den Augen der Stute erblickte sie Mut und Kampfeswillen, sah aber ebenso einen Funken der Resignation die schon vor Längerem eingesetzt hatte. Sie wusste, sie muss Neltharia retten und würde ihr ein schönes Leben auf ihrem Hof bieten. Kathrins Gnadenhof kaufte eigentlich keine Tiere an und war eher eine Art Auffangstation für nicht mehr gewollte, alte und krankte Pferde. Doch Neltharia war ein ehemaliges Sportpferd in den besten Jahren und hatte ihrem Besitzer sicherlich einige Medaillen eingebracht. Warum er das Pferd nicht richtig versorgte und sich nicht mehr um Neltharias Wohlbefinden kümmerte war für Kathrin unverständlich.



"Wenn Du nicht zahlen kannst, dann verlasse mein Grundstück. Ich habe keine Zeit für Gespräche ohne Nutzen", knurrte der schlecht gelaunte und Kathrin immer unsympathischer werdende Mann. Am liebsten hätte sie ihn bei den Schultern gepackt und ihn geschüttelt, ihn auf den Zustand von Neltharia aufmerksam gemacht und wäre mit der Stute vom Hof verschwunden. Doch wusste sie, wenn sie hier etwas bewirken wollte, musste sie anders vorgehen und diesem herzlosen Menschen klar machen, in welcher Mission sie zu ihm gekommen war. Er würde nicht nachgeben - außer Kathrin brachte den Tierschutz vor. Als sie diese Drohung aussprach und ihm dabei fest in die Augen sah, wurde er blass und willigte schließlich, wenn auch mit wütendem Unmut in die Forderungen ein.